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20. September 2012

Beginne mit einem Neuanfang

Zauber hin, Zauber her - etwas Neues muss es halt von Zeit zu Zeit geben, auch wenn der Inhalt des Neuen aus Altem besteht. Aber ganz so ist es nicht.

Für diese, meine neue Seite werde ich in der nächsten Zeit tief in mein Archiv steigen und Texte veröffentlichen, die ich im Internet noch nicht zum lesen anbot. Texte aus meiner Jugend, von 1985 bis 2000 zum Beispiel. Ich bin gerade dabei, diese aufzubereiten, und nach und nach werden sie hier auf der rechten Seite verlinkt sein.

Auch in mein Fotoarchiv werde ich mal schauen, und Bilder suchen, die noch nicht zu sehen waren - vermischt mit bekanntem.

Aber, das ist erst der Anfang...

31. Mai 2007

Wann ist man ein Tourist?

Ich war heute in Berlin. Zum einkaufen. Das ist an und für sich nichts besonderes, denn ich bin öfter in Berlin. Aber heute begleitete mich so ein Gefühl, so eine Frage, nämlich: Wann ist man ein Tourist?

Ich hatte dieses Gefühl schon als ich am Hauptbahnhof ausstieg. Irgendwie fühlte ich mich heute wie ein Tourist, auch wenn ich gar keinen Fotoapparat dabei hatte und auch keine Sehenswürdigkeiten besuchen wollte. Aber dennoch. Vielleicht lag es daran, dass ich kein Gepäck hatte? Vielleicht lag es daran, dass ich nur einkaufen wollte? Ich weiß es nicht, und ich weiß auch nicht, woran man einen Touristen erkennt. Also richtig sicher erkennt? Wenn ich so durch Berlin schlendere, dann müsste ich doch eigentlich als Berliner durchgehen. So cool und lässig wie ich bin. Oder sein möchte. Und doch wurde ich in den Geschäften wie ein Tourist behandelt. Ist das Wort „Tourist“ eigentlich ein Schimpfwort? Kann man das als Beleidigung auffassen, wenn man kein Tourist ist? Wie muss sich erst jemand fühlen, der tatsächlich in Berlin wohnt? Ich möchte es gar nicht wissen.

Und so war ich heute als Pseudo-Tourist unterwegs und fühlte mich gar nicht wohl dabei. Darum werde ich beim nächsten Berlinbesuch ein Museum besuchen, oder die Goldelse, dann bin ich wenigstens ein halber Tourist. Immer noch besser als ein ganzer.

18. Mai 2007

Ist Gott vielleicht wirklich eine Frau?

Gestern hatte ich es ja schon vermutet und angesichts der Folgeerscheinungen der alljährlichen Männertagsfeiern drängt sich mir der Gedanke immer mehr auf: Ist Gott vielleicht wirklich eine Frau?

Aber nicht nur deswegen, denn man muss sich doch die Männer nur mal ansehen, sie beobachten und seine Schlüsse daraus ziehen, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass Gott auf unserer Seite steht. Warum sollte er seinen Geschlechtsgenossen so etwas antun? Warum hat er uns nicht mit guten Umgangsformen ausgestattet? Warum lässt er uns Autos und Fußball besser finden als Literatur zum Beispiel? Warum sind wir laut und werden dick mit Glatze? Warum ist er so gemein zu uns, dass er uns nicht wenigstens ein bisschen was von dem gegeben hat, was Frauen haben? Warum haben wir Männer keine Anmut, warum kein gepflegtes Äußeres, warum können wir mit den Fingern essen? All das lässt nur einen Schluss zu: Gott ist eine Frau, die die Männer nur erschaffen hat, damit Eva nicht langweilig wird und die Menschheit sich fortpflanzt. Denn, fast alles was wir Männer machen, und zwar ohne vorher drüber nachzudenken, wird schief gehen. Frauen denken wenigstens vorher nach.

Fast hat es den Anschein, dass Göttin aus Adams Rippe nicht Eva geschaffen hat, sondern Adams Gehirn. Nachträglich versteht sich. Damit Männer auch ab und an ein wenig nachdenken, bevor sie etwas machen, was die Frauen dann ausbügeln müssen.

17. Mai 2007

Könnte es nicht Bier regnen?

Heute ist ja Christi Himmelfahrt, also Herrentag. Der Tag, an dem sich viele Männer wünschen, dass Gott die Frauen nie erschaffen hätte, weil man ja ohne sie auch feiern kann. Aber was sie brauchen ist Alkohol. Einige fragen sich auch, bei dem Regenwetter heute: Könnte es nicht Bier regnen?

Ich meine, wenn Christus schon gen Himmel fährt, dann könnte er doch seinen Chef mal darum bitten, oder zumindest mal anfragen ob das nicht möglich ist. Gott könnte doch sicher mit links Regen in Bier verwandeln. Und was wäre das für eine Wohltat für die Männerwelt!? Aber so, nur den ganzen Tag Regen und das in offenen Pferdekutschen und auf Gartenpartys – „Oh, Herr erlöse uns von dem Übel!“ möchte man dem Himmel entgegenschreien und kostet dabei schon mal die Regentropfen, ob es nicht vielleicht doch schon Bier ist und Gott nur nicht bescheid gesagt hat. Könnte ja sein. Aber Gott ist hartnäckig, steht wohl doch eher auf der Seite der Frauen. Ist eben doch eine Göttin, die die Frauen erschaffen hat, damit die Männer beim feiern auch ein Ende finden.

Und so bleibt den Männern nichts anderes übrig als heute und immer da den Wirt um eines zu bitten: „Unser tägliches Brot gib uns heute!“, denn es wird nie Bier vom Himmel regnen, solange Gott in Wahrheit eine Frau ist…

23. April 2007

Ab wann ist man nicht mehr jung?

Jung sein kann man nicht wirklich verhindern. Jung zu bleiben kann man versuchen. Aber kann man auch was gegen jung bleiben tun? Ab wann ist man nicht mehr jung?

Gibt es einen Geburtstag, der das festlegt? 36 zum Beispiel. Ist das die magische Zahl, die im Kopf einen Schalter umlegt, der zwischen jung und alt entscheidet? Und, liegt der nun bei alt? Woran erkenne ich, dass ich nicht mehr jung bin? An den legendären grauen Haaren im Bart und auf dem Kopf? Oder daran, das ich andere Farbtöne in der Kleidung bevorzuge? Alles etwas dunkler, schlichter und gediegener? Oder vielleicht dran, dass ich neuerdings mehr klassische Musik höre, mehr ruhigere Töne anschlage? Oder ist man nicht mehr jung, wenn man sich reifer fühlt, wenn man in Gegenwart von jungen Menschen ein Gefühl der Überlegenheit hat? Wenn man öfter gefragt wird: „Wie war das früher?“ – ist das die Frage, die Alter ausmacht? Oder ist diese 36 tatsächlich nur eine lapidare Zahl auf dem Weg zur 40?

Wie auch immer: jung sein und alt sein ist etwas Grundverschiedenes. Jung bleiben kann man solange, bis man merkt dass das eigene Leben besser funktionieren könnte, wenn man so ist, wie die biologische Uhr das vortickt. Und solange, wie die Umwelt akzeptiert, dass man jung geblieben ist. Nur mit Gewalt sollte man nicht versuchen jünger zu scheinen als man ist. Sonst sieht man bald ganz schön alt aus!

17. April 2007

Sind nachts alle Katzen grau?

Grade eben sitzt links von mir eine dicke, weiße Katze und rechts eine kleine, schwarze. Es ist später Abend, fast schon Nacht. Zeit für ein Experiment. Denn: Sind nachts alle Katzen grau?

Das gilt es jetzt herauszufinden! Also werde ich die beiden einmal beobachten, auf Veränderungen achten und ihnen hinterher schleichen, wenn sie sich bewegen. Zur Not auf dem Bauch kriechend. Denn wenn das Sprichwort auch nur einen kleinen Funken Wahrheit enthält, und Sprichwörter sind ja bekanntlich immer zutreffend, dann müssten sich doch die beiden Katzen im Laufe der Nacht von schwarz und weiß in grau verwandeln! Bis jetzt ist noch nichts passiert. Obwohl, sehe ich da schon einen grauen Schimmer? Nein, das war nur das Mondlicht, das durch das Fenster scheint. Also weiter warten und nicht einschlafen. Jetzt haben sie sich auf den Rücken gelegt und warten mit mir.

Da kommt mir eine Idee, denn ich glaube nicht, dass nachts alle Katzen grau sind, vielleicht sollte ich sie einfach eine Weile ganz fest aneinander reiben, nachdem ich sie eingeweicht habe. Denn aus schwarz und weiß wird doch grau. Und dann wären möglicherweise zumindest diese beiden Katzen nachts grau.

16. April 2007

In welcher Tiefe lebe ich?

Ich habe heute eine Dokumentation über einen Höhlenforscher gesehen, der völlig allein mehrere Wochen in einer Höhle lebte – in den 60er Jahren. Und alles was dort so beschrieben wurde veranlasste mich zu der Frage: In welcher Tiefe lebe ich?

Ich bin zwar kein Höhlenforscher, aber etwas höhlenähnlich ist meine Wohnung schon. Im Grunde ist sie ja auch meine Höhle – mein ganz persönliches kleines Reich in dem ich ungestört meinen Interessen nachgehen kann. Aber das Problem liegt ja woanders. In der Doku wurde gesagt, das schon nach ein paar Tagen eine Unterkühlung einsetzt und das ist bei mir manchmal auch der Fall – wenn ein paar Tage nichts aufregendes passiert ist, dann bekomme ich auch eine frostige Stimmung, werde leicht unterkühlt im Umgang mit anderen. Die Motorik lässt nach, man kann sich schwerer bewegen und man verliert sein Kurzzeitgedächtnis! Das kenne ich auch nur zu gut. Was wollte ich schreiben? Mhm, ich hab´s vergessen… Irgendwas mit Tiefe. Ach ja! Und wenn ich es mir recht überlege, dann denke ich dass meine Höhle ziemlich weit unter der Erde liegt, denn im Gegensatz zu diesem wagemutigen Forscher kann ich dieses Experiment nicht abbrechen. Ich muss warten – auf Hilfe oder den Grottenolm.

Aber ich gebe nicht auf! Ich werde rumrennen, mir alles notieren und versuchen mich warm zu halten, bis es jemand anderes tut. Und notieren, das mache ich ja jetzt schon. Jetzt grade wieder. Damit ich nichts vergesse.

12. April 2007

Wogegen hilft eigentlich Brennnesseltee?

Es gibt ja nicht nur Schwarz- und Früchtetees, sondern auch verschiedene andere hilfreiche Teesorten. Grüntee zum Beispiel oder Hagebuttentee. Aber wogegen hilft eigentlich Brennnesseltee?

Das erste was mir am Brennnesseltee auffällt ist, dass er mit drei n´s geschrieben wird. Und damit ist er so ziemlich der einzige Tee, den man auch auf einer Schifffahrt trinken kann, weil er vielleicht gegen Seekrankheit hilft. Oder hilft er gegen brennen und nesseln? Warum muss es überhaupt Tee aus Unkraut geben? Ja ich weiß: Tee kann man eigentlich aus allem machen was trocken ist. Zum Beispiel aus Tageszeitungen oder aus Stroh. Bestimmt auch aus Heu. Und jeder Tee hilft gegen irgendein Zipperlein. Manch ein Tee hilft auch gegen das Wohnzimmer – Abführtee… Aber Brennnesseltee soll ja eine harntreibende Wirkung haben. Wenn ich also einen Liter Brennnesseltee am Tag trinke und genau soviel auch wieder in die Toilette entlasse, dann macht das doch keinen Sinn, dann könnte ich ihn gleich ins Klo kippen, oder die Brennnesseln einfach hinterm Haus weiter wachsen lassen. Ist schon merkwürdig. Klar, der Hintergedanke ist ja auch die Entschlackung, aber ist man nicht irgendwann ausgeschlackt? Ausgelaugt sogar? Also warum um alles in Welt muss es Brennnesseltee geben?

Eine Brennnesselauspeitschung in der Sauna kann ich ja noch akzeptieren, da kann man die Pflanzen anschließend kompostieren. Ah, jetzt fällt es mir auf: Während der Sauna kann man ja den Brennnesseltee trinken. Das erzeugt dann einen inneren Widerstand gegen die Auspeitschung und die Haut bleibt völlig unbeschadet. Sollte das der Sinn von Brennnesseltee sein?

9. April 2007

Warum bin ich kein Cowboy?

Gestern Nacht, in meinem Traum bin ich auferstanden, nein auf-ge-standen, und ich wurde wiedergeboren als Cowboy im Wilden Westen. Dumm nur, dass es ein Traum war. Warum bin ich eigentlich kein Cowboy?

Das muss doch etwas Wunderbares sein. Als Cowboy durch die Prärie ziehen, Büffelherden zusammentreiben und abends am Osterfeuer die dicke Bohnensuppe essen. Morgens mit dem super starken Kaffee im Blechbecher, einer Marlboro im Mundwinkel, in den Sonnenaufgang schauen, bevor es weiter geht, gen Westen, in die nächste Stadt und in den erst besten Saloon. Dort angekommen erstmal einen warmen Whisky an der Bar, ein paar Pokerspiele und Schießereien. Und weil ich als Sieger daraus hervorgehe, gehört mir auch die schönste Frau der Stadt. Gut die gehört jedem, der schnell schießen kann. Aber was schert mich das? Ich bin doch ein Cowboy! Ein ganzer Kerl, ein richtiger Mann. Und am nächsten Tag ziehe ich weiter nach El Paso, eine Rinderherde zusammentreiben. Ich merke grade, dass es doch ein recht anstrengendes Leben zu sein scheint, das Leben als Cowboy. Ständig unterwegs.

Aber zum Glück war das ja nur ein Traum. Als ich aufwachte war Schluss mit dem wilden Westen, da war ich wieder ganz hier im zahmen Osten, und ich war auch kein Cowboy mehr. Kein ganzer Kerl und Büffelbezwinger. Was blieb war die Marlboro vor dem Frühstück und extra starker Kaffee für die Frühschicht.

5. April 2007

Wer rettet mich vor Knut?

Jetzt ist es soweit: Knut erobert das Internet! Auf fast jeder Seite taucht entweder ein Bild von ihm auf, eines seiner Artgenossen, oder es steht ein Artikel über ihn drin. Ich kann es bald nicht mehr sehen, obwohl ich nichts gegen Tiere habe, aber: Wer nur rettet mich vor Knut?

Hat denn die Welt noch nie einen kleinen Eisbären gesehen? Es gibt doch so viele Tierdokumentationen über Eisbären, in denen auch Babyeisbären zu sehen sind. Reicht das nicht? Muss ganz Deutschland nach Berlin pilgern um sich Knut anzusehen? Ja, für den Berliner Zoo ist das natürlich eine gute PR-Maßnahme: Einnahmen bis zum Abwinken, Kinder die wiederkommen wenn sie größer sind und Eisverkäufer die sich die Hände reiben. All die anderen Tiere interessieren keinen und ganz nebenbei stirbt ein Pandabär und keiner nimmt es wirklich zur Kenntnis. Gäbe es Knut nicht, würde vermutlich ein Kondolenzbuch im Zoo ausliegen. Aber so? Nur Knut. Und jetzt auch flächendeckend im Internet. Grade eben erschien eine Anzeige der Berliner GASAG auf meinem Bildschirm: mit einem Eisbären. Hoffentlich wächst Knut schneller als erwartet, denn dann ist er endlich ein ganz normaler Eisbär, läuft den ganzen Tag in seinem Gehege hin und her, wackelt mit dem Kopf, wird verhaltensgestört und interessiert keinen Menschen mehr – ist ja nur ein Eisbär. Aber noch ist es Knut.

Wenn man sich aber die Folgen ansieht, kann das schon ein Grund zur Besorgnis sein. Vielleicht setzen die Zoos in Zukunft nur noch auf kleine, kuschlige Tierbabys und gaukeln uns eine heile Tierwelt vor? Alles wird gut mit Knut! Wenn Sie also nach Berlin fahren: nicht nur Knut ansehen, sondern auch die anderen Tiere im Zoo und vor allem: auch mal hinter die Kulissen schauen, denn so ein Zoo ist nicht die Wirklichkeit!

4. April 2007

Warum nicht gleich zurück ins Mittelalter?

Ostern ist die Zeit der Mittelaltermärkte. Alle Leute drängen sich zum makaberen Schauspiel aus vergangenen Tagen: Schaufoltern, Schauköpfen und Fladenbrot – Musik und Tanz. Also warum nicht gleich zurück ins Mittelalter?

Irgendetwas muss diese Zeit ja an sich gehabt haben, dass sie so viele Schaulustige anlockt, die alle auf, vom Regen aufgeweichten, Äckern umher streifen und eintauchen in eine Welt, die wir eben nur auf diesen Märkten halbwegs nachempfinden können. Aber warum? Was zieht uns dorthin? Ist es die Sehnsucht nach einem Leben ohne Rücksicht? Man brauchte sich nicht waschen, aß mit den Händen, lag neben Schweinen im Bett, soff Bier aus Eimern und konnte seinen Nachbarn erschlagen. Scheint eine tolle Zeit gewesen zu sein. Man brauchte nicht lesen zu können, Bildung spielte ja keine Rolle und gesellschaftliche Schichten waren klar getrennt: wer arm war war arm und wer reich war, den interessierte das nicht. Klingt ein bisschen so, als wär es heute. Ich könnte mir gut vorstellen auch im Mittelalter zu leben. Ich wäre dann sicher Minnesänger, zög durch die Lande und hätte in jeder Stadt ein anderes Weib zum … feiern. Aber wahrscheinlich würde ich dann auch bald in die Hände der heiligen Inquisition fallen, wegen Vielweiberei oder Gotteslästerung. Und so wie ich mich kenne, bräuchte man mir nur die Folterinstrumente zeigen und ich würde alles widerrufen und unterschreiben! Vielleicht ist es doch keine so gute Idee im Mittelalter zu leben, denn alt würde ich da bestimmt nicht.

Und trotzdem werde ich mir so einen Markt aus der Nähe ansehen, auch wenn ich nicht weiß was Mittelaltermärkte mit Ostern zu tun haben. Eigentlich müsste es doch Kreuzigungspartys und Auferstehungsevents geben. Ich meine, das passt doch besser zu Ostern als Schaufoltern mit Musik.

3. April 2007

Sterben Hühner an Altersschwäche?

Ich habe schon viele Hühner gesehen in meinem Leben und auch gegessen. Aber alle starben vor ihrer Zeit, wurden geschlachtet und gegrillt. Und darum frag ich mich: Gibt es Hühner, die an Altersschwäche sterben?

Erstmal muss man wissen, dass das Haushuhn eine Zuchtform des Bankivahuhns, eines Wildhuhns aus Südostasien, ist und zur Familie der Fasanenartigen gehört. Das bedeutet, dass es in unserer Region keine freilebenden Hühner gibt, es sei denn, sie sind den Ställen entkommen. Wenn es ein Huhn bis an sein natürliches Lebensende schafft, dann kann es so um die acht Jahre alt werden. Aber wie schon gesagt: die meisten schaffen das nicht, denn bei uns haben Hühner nur die Aufgabe der Nahrungsbereitstellung. Sei es durch die gelegten Eier oder letztlich durch sich selber. Und so kann sich hier ein Huhn schon glücklich schätzen und sich für etwas besonderes halten, wenn es eines Morgens an Herzschwäche stirbt oder sich am letzten Wurm verschluckt, auch wenn das dann kein natürlicher Tod wäre. Schade eigentlich, dass wir unsere Hühner mit soviel Respektlosigkeit behandeln und sie nur als ein Stück Vieh sehen. Warum essen wir die Hühner nicht erst, wenn sie einen friedlichen Lebensabend hinter sich haben?

Es ist schon so, dass Hühner nur dann für uns so etwas wie Kuscheltiere sind, solange sie ein Küken sind und möglichst noch Knut heißen. Sind sie größer sehen wir sie nur gegrillt gerne. Ein Glück, dass das bei uns Menschen nicht so ist. Lassen wir doch den Hühnern ihren Frieden. Zeit wäre es.

2. April 2007

Kann man durch E-Mails schwanger werden?

Nietzsche schrieb einmal: „Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ Ich weiß was damit gemeint ist: Wenn du zu oft über Schwangerschaft schreibst, wirst du selber schwanger. Kann man durch E-Mails schwanger werden?

Seit einigen Tagen schreibe ich viel über Kinder. Nicht meine eigenen, denn die gibt es noch nicht, aber über andere, oder die die ich mir vorstelle zu haben, wenn ich dann mal welche habe. Es ist ein wahres Kindertrauma, dass sich durch meine Mails zieht und mich einzingelt wie eine Wolfsherde ein Schaf, nur dass in meinem Falle die Wölfe eben Kinder sind. Mittlerweile bin ich schon beim Entstehungsprozess von Kindern angelangt. Wo kommen sie her? Wie bekommt man sie? Kann man sie vielleicht besser leasen? Gibt es sie gebraucht? Das sind alles so Fragen. Oder auch: Wenn man durch viel schreiben über diese Thema schwanger werden könnte, wäre das dann eine unbefleckte Empfängnis? Oder würde ich gar Post von der heiligen Jungfrau bekommen, die ja auch ohne fremde Hilfe schwanger wurde und sich jetzt für mich interessiert? Reicht die Kraft der Gedanken, und heutzutage ist ja alles möglich, aus, um meine Brieffreundin zu schwängern? Oder sie mich? Was eine medizinische Sensation wäre. Und ein gesellschaftliches Problem.

Wenn ich es aber nicht weiter probiere, dann wird die Menschheit es nie erfahren. Und so sehe ich es als meine Aufgabe an der Welt dieses Experiment fortzusetzen, bis sich Erfolge einstellen. Und sollte das nicht funktionieren, dann muss man eben in der realen Welt nachhelfen…

29. März 2007

Warum fällt mir heute nichts ein?

Manchmal gibt es Tage an denen nichts passiert über das es sich lohnt nachzudenken. So wie heute. Und so sehr ich mich auch bemühe, es hat mich nichts bewegt. Sind alle Fragen beantwortet? Warum fällt mir heute nichts ein?

Das war heute ein typischer Tag, wie es ihn so oft gibt: Arbeit, Einkauf, E-Mails und Fernsehen. Nichts, was die Welt aus den Angeln gehoben hätte, nichts was mir aufgefallen wäre. Kein Terrorismusexperte im Radio, keine roten Slips auf der Leine, keine tödliche SMS, keine leeren Flaschen und ich brauchte auch nicht pünktlich sein. Kein Rumgeknutsche in der Gemüseabteilung oder im Theater. Einfach ein ganz normaler Tag. Dabei hatte er durchaus verheißungsvoll begonnen, denn ich konnte seit langem mal wieder ein T-Shirt anziehen, ohne zu frieren wohlgemerkt. Offensichtlich ist der Frühling nun wirklich bei uns angekommen. Und meine Winterjacke, das hatte ich noch gar nicht erwähnt, kommt nun wieder in den Schrank, in den ich sie ja schon vor ein paar Tagen gehängt hatte aber wieder rausholen musste. Jetzt geht´s los! Jetzt wird’s schön, jetzt kommen die Frühlingsgefühle!

Und wenn die so richtig zuschlagen, dann bewegt mich auch wieder was, dann darf ich wieder Fragen beantworten, dann muss ich auch wieder unter Deckengemälden vorsichtig sein. Dann, ja dann fällt mir auch wieder etwas ein. Bestimmt schon morgen!

27. März 2007

Warum hängen keine sexy Slips auf der Leine?

Wenn ich aus meinem Küchenfenster schaue, dann sehe ich die Wäscheleinen auf der Wiese im Hof unseres Hauses, und es hängt viel Unterwäsche darauf. Leider nur weiße, große Schlüpfer und keine knappen, roten Slips und Spitzen-BH´s. Warum wohl hängen keine sexy Slips auf der Leine?

Es ist ja wahr, dass ich in einer Stadt lebe, in der der größere Teil der Einwohner keine sexy Slips mehr trägt und vielleicht auch nie trug. Besonders in meiner Gegend wohnen doch verdächtig viele ältere Menschen, die es eben noch gewöhnt sind ihre Wäsche in den Monaten ohne „R“ am Ende, im Freien zu trocknen. Oft hängen noch selber genähte Ost-Klammerbeutel mit an der Leine. Aber in der letzten Zeit sind auch viele junge Leute in natürlich freigewordene Wohnungen gezogen. Auch junge Frauen. Und die dürften doch eigentlich noch keine Mega-Schlüpfer tragen. Aber wo trocknen die ihre Unterwäsche? Ich meine gewaschen werden muss die ja auch hin und wieder. Drängeln sich die tausenden roten Slips und BH´s wirklich in engen Wohnzimmern auf Indoor-Wäscheständern?

Das wäre schade, denn wenn ich weiterhin aus dem Fenster schaue und sehe all die, so oft gewaschenen Schlüpfer, dann fühle ich mich selber schon alt in dieser alten Stadt. Vielleicht sollte ich einfach mal meine Slips unten auf die Leine hängen? Möglicherweise gesellen sich ja ein paar sexy rote Slips dazu – und dann bin ich mal gespannt, was wohl passiert…

26. März 2007

Was schenkt man zu Ostern?

Ich komme gerade aus dem Supermarkt und muss sagen: Es ist schon erstaunlich, was sich die Industrie alles so einfallen lässt um uns die Osterfeiertage so angenehm wie möglich zu gestalten. Jede Menge Süßigkeiten und Dekoration. Aber was könnte man zu Ostern schenken?

Es gibt ja viele Möglichkeiten. Angefangen von Schokoladenosterhasen, über hartgekochte, bunte Eier bis hin zu niedlichen, kleinen Osterküken aus Plüsch. Aber eigentlich alles nur Dinge, die die Welt nicht braucht und wenn überhaupt, dann wirklich nur zu Ostern. Man könnte sich ja mal etwas anderes einfallen lassen oder alte Bräuche wieder aufleben lassen. Wie wäre es mit Eiertrudeln als Geschenk für die ganze Familie? Natürlich Eier die man vorher selber bemalt hat, im Kreise der Lieben und im Hintergrund „Die Bibel“ als Hörbuch. Das ist doch schön. Ich denke ich lasse mir etwas ganz anderes einfallen: Vielleicht einen kratzigen Pullover aus Osterlammwolle? Am Karfreitag muss es ja nicht immer Fisch geben, Kükenbrust macht es doch auch. Oder am Ostersonntag einen schönen Hasenbraten? Und Ostermontag gleich noch Lammkoteletts beim Griechen, schön in Knoblauchsoße! Die vertreibt dann auch gleich die bösen Ostergeister aus den Geschäften.

Aber ich weiß nicht recht: Kann man das mit Ostern machen? Kann man all die liebgewordenen Osterutensilien einfach so … aufessen? Obwohl, die Eier isst man ja auch. Na, dann mache ich das in diesem Jahr mal so! Ich fange gleich mit dem stricken des Pullovers an…

25. März 2007

Warum hatte ich gestern keine Zeit?

Und da ist es auch schon passiert: Gestern war der erste Tag ohne die Beantwortung einer Frage. Ich bin einfach nicht dazu kommen. Und darum frage ich mich heute: Warum hatte ich gestern keine Zeit?

Ich war auf einem Frühlingsfest, für die ganze Familie – und zwar den ganzen Tag, inklusive Zeitumstellung. Und was ich dort alles erlebt habe, wirft so viele Fragen auf, da könnte ich jeden Tag, drei Jahre lang, eine versuchen zu beantworten. Fragen wie zum Beispiel: Was bewegt Kinder, zumal aus der Stadt, dazu, am Fell von Schafen zu ziehen statt es zu streicheln? Warum versuchen sie Lämmern das Gras zusammen mit der Hand in den Mund zu stecken und weinen anschließend? Warum lassen sich Kinder geduldig das Gesicht bunt anmalen um anschließend wieder eine Ausgeburt der Ungeduldigkeit zu sein? Warum haben Kinder Angst vor ausgestopften Eichhörnchen? Warum wollen Kinder alles haben und behalten was man ihnen zeigt? Und warum essen sie so gerne Zuckerwatte? Ach und: Warum müssen sie tausendmal am Tag auf die Toilette? Warum können sie im Theater nicht still sitzen? Warum verteilen sie staunend Popkorn unter ihren Stühlen und Eis auf der Hose des Nebenmannes?

Und warum bringen sie ihre Eltern mit? Denn die sind manchmal schlimmer als ihre Kinder und in allen oben gestellten Fragen könnte man getrost das Wort Kinder durch Eltern ersetzen. Es würde keinen Unterschied machen. Es ist schon eine komische Welt – die Welt in den Köpfen von Eltern, die wir Kleinen so schwer verstehen können.

19. März 2007

Wie wird man Terrorismusexperte?

Heute Morgen im Radio wurde ein Mann interviewt, der etwas zu berichten wusste über die Lage Deutschlands in der Welt und über die momentane Gefahr von Terroranschlägen in unserem Land. Dieser Mann wurde als „Terrorismusexperte“ vorgestellt. Nachdem wieder Musik kam, stellte sich mir die Frage: Wie wird man eigentlich Terrorismusexperte?

Als Bundestagsabgeordneter muss man sich wohl für ein bestimmtes Thema besonders interessieren. Möglicherweise gibt es für Neueinsteiger eine Art Katalog in dem alle Themen drinstehen, zu denen man seinen Senf dazu geben kann, und zu denen man dann auch Experte werden kann. Wohl auch Terrorismusexperte. Aber welche Voraussetzungen braucht man dafür? Ich meine reicht es wenn man den ganzen Tag Al Dschasira schaut und CNN als Gegenpol? Oder muss man jemanden beim Bundeskriminalamt kennen, ja selber IM bei Bundesnachrichtendienst sein? Muss man vielleicht mal in Afghanistan oder im Iran Urlaub gemacht haben – etwas länger vielleicht als normale Bürger? Oder muss man unter Umständen, und was ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, selber mal in der Branche tätig gewesen sein? Muss man mal selber Terrorist gewesen sein und muss man fließend arabisch sprechen? Oder sind das ausgemusterte RAF-Mitglieder? Das würde ja fast noch näher liegen. Braucht man da irgendwelche Zeugnisse und Empfehlungsschreiben? Es könnte doch auch reichen, wenn man über Erfahrungen mit Chemiebaukästen verfügt, die einem als Kind zu kreativen Höhenflügen trieben und man regelmäßig ein neu renoviertes Zimmer bekam. Ich weiß es einfach nicht und kann es mir auch nicht erklären. Aber Terrorismusexperte klingt irgendwie gewaltig spannend.

Auf jeden Fall kannte dieser Mann sich aus und hat mir echt Mut gemacht. Es bestehe keine wirkliche Gefahr und wir sollten nur vorsichtig sein – im Bus zum Beispiel. Na, da kann ich ja ganz unbesorgt nach Berlin fahren – mit dem Zug.

15. März 2007

Gibt es noch Kassetten?

Vor ein paar Wochen bekam ich eine kleine, transparente Plastikschachtel mit den Worten: „Hier ist mein Mixtape für dich!“ über den Tisch geschoben. Zuerst wusste ich nicht was ich damit anfangen sollte, aber beim Wort Mixtape dämmerte mir, dass es etwas mit Musik zu tun haben müsse. Aber was war das für ein Gegenstand in der Schachtel? Er sah irgendwie aus wie … naja, eine Kassette? Gibt es noch Kassetten?

Ja, denn ich habe ja jetzt eine in meinem Kassettenrekorder in der Küche, von dem ich gar nicht wusste, dass er noch funktioniert. Und als dann die ersten Töne erklangen, war es da: das Gefühl meiner Jugend. Die Erinnerung an meinen ersten Rekorder von Stern Radio. Und dann mein erster Walkman, der nur eine Woche hielt und all die anderen, die dann folgten. Dieser Klang ist einfach nicht zu beschreiben und die Umständlichkeit der Bedienung ist nichts für schwache Nerven. Ach ja, Kassetten – das waren noch Zeiten! Früher hieß es: „Ich überspiel dir das mal.“ Heute wird’s auf einem Stick gespeichert oder auf CD gebrannt und alles im MP3-Format, das wir früher für ein neues Schulheftformat gehalten hätten. So ändern sich die Zeiten. Aber ich glaube das ist auch gut so. Und dennoch: so eine Kassette zu bekommen ist schon etwas besonderes, erinnert auch ein bisschen an die erste Liebe, als man zum Erstellen eines Mixtapes noch stundenlang Langspielplatten durchhören musste und ständig die Anfänge verpasste. Das waren noch Zeiten!

Und jetzt habe ich das Mixtape schon so oft gehört, dass ich wohl bald aus dem Keller den Karton mit meinen alten Kassetten holen werde um dieses Nostalgie-Feeling noch eine Weile in meiner Küche zu halten. Vielleicht finde ich in ihm auch mein erstes Mixtape für meine erste große Liebe. Oder hat sie das behalten?

4. März 2007

Gibt es Zaubertage?

Heute morgen, gut es war schon halb neun, als ich, dann doch sehr unter einer Alkoholallergie leidend, aus dem Bett fiel und mich langsam aber sicher meinen Tagesaufgaben zu wandte, da war der Tag noch in Ordnung. Am frühen Abend nicht mehr. Ich war nicht darauf vorbereitet und frage mich: Gibt es Zaubertage?

Ein glasiger Blick aus dem morgendlichen Fenster überzeugte mich davon, dass es wohl immer noch kalt sein müsste, da draußen in der feindlichen Welt und so entschied ich mich für meine Winterjacke, die ja erst noch richtig abgetragen werden muss. Ich verließ das Haus und merkte nichts. Es war also richtig diese Jacke angezogen zu haben. Ein Glück. Da brauchte ich nicht zu frieren. Den Rest des Tages verbrachte ich, wie es so schön heißt in geschlossenen Räumen. Ohne Jacke versteht sich und ohne viel Tageslicht. Gegen sechzehn Uhr wollte ich dann nach Hause gehen und war wie vom Blitz getroffen, als ich feststellte, dass die Welt draußen eine andere geworden war. Da liefen Leute in kurzärmeligen Hemden rum. Wo war ich hingeraten mit meiner Winterjacke? Es war doch tatsächlich im Laufe des Tages Frühling geworden! Wie von Zauberhand schien die Sonne und wärmte mich doch erheblich auf. Und ich als einziger mit Winterjacke!

Aber so verzaubert war es gar nicht, denn ein Blick in die Wettervorhersage, eigentlich ja schon Wetternachsage, bestätigte meinen leisen Verdacht: Es wurde genau dieses Wetter angekündigt. Und hätte ich am Morgen nicht aus dem Fenster geschaut, sondern in die Wettervorhersage, dann wäre die Zeit meiner Winterjacke vorbei gewesen und sie wäre im Schrank verschwunden … ganz von Zauberhand!