1. März 2007

Warum wird man beim Friseur zum reden genötigt?

Ich bin ein männlicher Mensch und damit von Natur aus schweigsamer als meine weiblichen Zeitgenossen. Nirgendwo lässt sich das besser nachweisen als bei einem Friseurbesuch. Der Unterschied fängt schon bei der Grundeinstellung an: Mann möchte sich nur schnell die Haare schneiden lassen, für Frauen ist es ein Event. Und dann kommt das unvermeidliche, man soll mit der Friseuse reden, auch wenn man es nicht will. Warum also wird man beim Friseur zum reden genötigt?

Ich weiß doch wie das Wetter ist und es ist mir eigentlich egal. Also warum muss ich darüber mit einer mir unbekannten Frau reden? Wie oft schon habe ich gehört, dass ich vorne und hinten zwei „reizende“ Wirbel habe, die sich nicht bändigen lassen. Und wie oft wurde ich schon, und das gar nicht dezent, darauf hingewiesen, dass „wir“ ja auch schon recht viele graue Haare haben – und das will ich nun ganz sicher am allerwenigsten hören! Ich will eigentlich gar nichts hören, ich will nur eine Dienstleistung und die heißt Haareschneiden, trocken, alles kürzer. Aber nein, immer wieder wird ein Versuch unternommen mich in ein Gespräch zu verwickeln. So leicht lasse ich mich dazu aber nicht verführen und bleibe hartnäckig bei kurzen „Jas“ und barschen „Neins“. Manchmal hilft es und manchmal nicht. Nicht zu reden bedeutet ja nicht, dass man kein Trinkgeld gibt. Nein, es hat eher einen anderen Grund. Ich höre gern den anderen Gesprächen zu, wenn ich sie denn unterscheiden kann.

Und was man da, von den Frauen ringsumher zu hören bekommt, von dem sie nicht wissen, dass man es hört, ist mitunter schon atemberaubend und an Themenvielfalt kaum zu überbieten. Darum gehe ich eigentlich gern zum Friseur und wünschte manchmal ich hätte längere Haare, weil es dann länger dauert und damit ich noch mehr vom „Wetter“ der anderen zu hören bekomme. Ich will eben nur nicht zum reden genötigt werden.

26. Februar 2007

Können wir von vorn beginnen?

Es beginnt ja schon morgens: in den Nachrichten wird die verbleibende Zahl der Jahre bis zur Klimakatastrophe nach unten korrigiert, und es hört auf mit den neuesten Schadstoffzahlen in den Nachtnachrichten. Von morgens bis abends dasselbe. Da möchte man sich doch einfach in ein Auto setzen und irgendwo hin fahren, wo es keine Nachrichten gibt und wo es möglichst auch wärmer ist als hier. Obwohl wir es hier ja mittlerweile auch kuschelig warm haben, und das mitten im Winter. Dem Klimawandel sei Dank!

Ja, danken wir dem Klimawandel und all den Firmen, die uns diese einmalige Chance geben. Die Chance in etwa hundert Jahren ganz von vorn beginnen zu können. Back to the Urzeit wie wir, die wirs nicht mehr erleben werden, sagen. Alles wird sich ändern: Der Stadtpark wird ein Dschungel in dem Mammuts herumstreifen und zwischen all den Trümmern der Plattenbauten werden wir uns in Höhlen einnisten. Wir werden wieder zu Neandertalern oder anderen urzeitlichen Gestalten, die den ganzen Tag in der Sonne vor der Höhle liegen und nicht wirklich etwas Wichtiges zu tun haben. Also ich stelle mir das paradiesisch vor. Hin und wieder raufen sich dann auch ein paar bewaffnete Steinzeitmänner zusammen und erlegen eines der Mammuts, die die Straßen unsicher machen, um es gemeinsam mit den Frauen am Lagerfeuer zu verspeisen. Danach ist dann wieder für Wochen faullenzen angesagt oder es wird sich um die Vergrößerung der Sippe gekümmert, was ja auch ein netter Zeitvertreib ist.

Wäre das nicht toll? Ist das nicht ein Ziel, eine Aufgabe? Kann man das nicht noch ein bisschen schneller haben, ein paar Jahre früher? Dann könnten wir Menschen noch einmal von vorn beginnen, könnten alle Fehler berichtigen und bräuchten uns für nichts bei niemanden zu entschuldigen. Und die alte Mutter Erde wird das alles schon verstehen. Gut, vielleicht würden wir uns dann aber auch eben nicht weiter entwickeln. Vielleicht bleiben wir dann Höhlenbewohner. Was soll´s, ist doch egal. Hauptsache den ganzen Tag in der Sonne liegen. So und jetzt schnell ins Auto und an der Zeitschraube gedreht!